City Guide Frankfurt

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Frankfurt

Issue 02/2016

 frankfurt

Text Mahret Kupka FotosNikolaus Grünwald

Etwas Schönes über die Stadt am Main zu schreiben heißt gleichzeitig auch, mit einer ganzen Menge an Vorurteilen aufzuräumen. Dass Frankfurt hässlich ist, heißt es oft. Doch kaum jemand, der sich mal über Bahnhofsviertel und Innenstadt hinaus in die angrenzenden Stadtteile gewagt hat, konnte bei dieser Meinung bleiben. „Nix mit Hollywood, Frankfurt Brudi“, heißt es in einem Track des Rappers Haftbefehl. Er kommt eigentlich aus Offenbach, aber die Frankfurter freuen sich über jedes Lob…

Frankfurt ist eigen, es ist ein bisschen rauh, zugleich aber sehr herzlich und weltoffen. Frankfurt ist nicht Paris, es ist auch nicht Venedig, ebenso wenig New York, selbst wenn Mainhattan, wie es gerne wegen seiner markanten Skyline genannt wird, an ein paar Ecken ein bisschen so aussieht. Es ist eigen, es ist ein bisschen rauh, keine klassische Touristenstadt. Zugleich ist es aber sehr herzlich und weltoffen. Man muss es wollen und sich bereitwillig an einen der langen Holztische setzen, zu den Frankfurtern und den anderen Gästen, die alle zusammenkommen in den berühmten Apfelweinkneipen. Dann muss man sich trauen sein Glas zu füllen, aus dem Bembel – dem traditionellen Tonkrug mit der markanten Färbung – der das wichtigste Getränk der Region enthält: den Apfelwein. Am besten pur oder ein wenig verdünnt mit Mineralwasser, aber nicht mit Limo, das macht kein richtiger Frankfurter. Von diesen gibt es rund 716.000. Hinzu kommen tagsüber 340.000 Pendler, die in einem der 43.000 ansässigen Unternehmen tätig sind und die Mainmetropole für ein paar Stunden zu einer Millionenstadt machen.

Unter ökonomischen Kriterien wird Frankfurt zu den Weltstädten gezählt. Insgesamt arbeiteten 2015 allein 74.972 Menschen im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Frankfurt ist Sitz der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Bundesbank, der Frankfurter Wertpapierbörse, zahlreicher Finanzinstitute (u. a. Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, KfW) und der Messe Frankfurt. Unter ökonomischen Kriterien wird Frankfurt zu den Weltstädten gezählt. Man mag es kaum glauben, vor allem nicht, wenn man das Bankenviertel mit seinen Hochhäusern, die immerhin zu den höchsten Europas zählen, verlässt. Dann wird Frankfurt sehr schnell ganz klein und gemütlich, zum größten Dorf der Welt oder eben zur kleinsten Metropole. Frankfurt sitzt zwischen den Stühlen und vielleicht ist es eben dieses Dazwischen, das das Leben hier so angenehm macht. Man kennt sich, man trifft sich. Das kulturelle Angebot ist klein aber sehr anspruchsvoll und wenn irgendwo eine Ausstellung eröffnet oder ein neues Restaurant eingeweiht wird, dann gehen alle hin. 

Modisch ist Frankfurt eher entspannt, auch wenn es auf eine sehr exquisite Pelztradition zurückblickt. „Frankfurt zieht an“ heißt etwas süffisant eine Publikation, die das Wirtschaftsdezernat Ende der 80er Jahre herausgibt, in der Mode vor allem als Handwerk und wirtschaftsfördernder Faktor begriffen wird und das besonders in Partnerschaft mit dem benachbarten Offenbach, welches lange bekannt für die hochwertige Lederverarbeitung war. Das klingt spontan nicht sexy. Tatsächlich aber beginnen heute einige junge Labels an eben diese Tradition anzuknüpfen. Und das höchst erfolgreich. Es geht weniger um Mode als wechselndes Trendbarometer. Das gute Handwerk steht im Vordergrund, ebenso wie die Herkunft der Materialien und die Leidenschaft am Design. Abseits der Haupteinkaufsstraße Zeil finden sich zahlreiche Ateliers, Boutiquen und Shops, die in ihrem Angebot auf bleibende Werte und Qualität setzen. Doch nicht nur Made in Germany prägt den Frankfurter Stil. Ebenso hat die amerikanische Besatzung bis heute ihre Spuren hinterlassen. Alles aus Übersee war im Nachkriegsdeutschland zuerst in Frankfurt ‚in’. Daran erinnern sich die Frankfurter gerne. Nicht weniger stolz ist man auf seine Techno-Tradition. 2018 eröffnet an der Frankfurter Hauptwache das erste Museum of Modern Electronic Music, in dem auch die entsprechende Mode thematisiert werden wird. Frankfurt passiert zwischen den Zeilen, jenseits der Wolkenkratzer. Den Einstieg für eine Entdeckungsreise liefern die kommenden Seiten…

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