City Guide Kopenhagen

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Style Life

Ausgabe 01/2009

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Text Ilona Marx Fotos Andi Zimmermann Illustration Roman Klonek

Dinge, die lediglich funktionieren, sind in Dänemark verpönt. Sie haben gefälligst auch gut dabei auszusehen. Diese Einstellung scheint den 1,7 Millionen Kopenhagenern bereits in die Wiege gelegt worden zu sein. Fest steht jedenfalls, dass sich unsereins schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Kastrup in höchstem Maße beeindruckt zeigt – so überzeugend der gestalterische Minimalismus, so stimmungsvoll die Beleuchtung.

Ein preisgekrönter Einzelfall? Mitnichten! Schließlich spielt Licht in den skandinavischen Ländern eine besondere Rolle. Wobei sich natürlich die Vermutung aufdrängt, dass es gerade der winterliche Mangel daran sein könnte, der zahlreiche Designer zu einer dezidierten Auseinandersetzung mit dem Thema motiviert hat: Überdurchschnittlich viele moderne Lampenklassiker stammen aus Dänemark, die bekanntesten unter ihnen aus der Feder von Poul Henningsen. Überhaupt hat man sich in dem nicht gerade sonnenverwöhnten Land seit Jahrzehnten intensiv mit der Gestaltung von Innenräumen befasst. Schlicht, aber nicht unterkühlt – so ließe sich der dänische Stil vielleicht am ehesten umschreiben.

Die Gallionsfigur dieser Designbewegung ist der 1971 verstorbene Arne Jacobsen, bis heute unvergessen, ja allgegenwärtig. Nicht nur, dass seine architektonischen Meisterwerke ihresgleichen suchen, seine Sessel, Stühle und Lampen sowie die Edelstahlserie sind weltbekannt – und in Kopenhagen dank zahlreicher Vintageläden vielfach zu bestaunen. Doch auch jede Menge andere Kreative haben sich um die Schönheit Kopenhagens verdient gemacht, etwa die Architekten Jørn Utzon, Kay Fisker, Vilhelm Lauritzen, Henning Larsen oder Hans J. Wegener. Ihrem Ruf als ‚Style Centrale‘ wird die dänische Hauptstadt daher mehr als gerecht. Allerdings ist guter Geschmack ja meist auch eine Frage des Geldes. Und tatsächlich gibt es davon in Kopenhagen offenbar genug. Während in anderen Metropolen die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, scheinen hier ausschließlich wohlhabende Menschen zu leben. Im Straßenbild jedenfalls ist Armut kaum sichtbar – extremer Reichtum aber sympathischer Weise genauso wenig. Vielmehr umweht ein egalitärer Geist die Türme der Stadt.

Spürbare Toleranz – Dänemark war 1989 das erste europäische Land, das die gleichgeschlechtliche Ehe einführte – und ein ausgeprägtes soziales Verantwortungsbewusstsein sind in der Tradition verankert und werden es hoffentlich bleiben. In jedem Fall grassiert in Kopenhagen eine schon fast sprichwörtlich zu nennende Gemütlichkeit, die so typisch für das Lebensgefühl der Dänen ist, dass diese sogar ein eigenes Wort dafür kennen: ‚hyggelig‘, was soviel wie ,geborgen‘, ‚intim‘ oder ‚im trauten Heim‘ heißen kann, letztlich jedoch nur eines meint: typisch dänisch.

Die größte Gefahr in Kopenhagen besteht vermutlich immer noch darin, auf einem der highwaybreiten Radwege von einem halsbrecherisch fahrenden Biker erfasst zu werden. Oder sich an stilvollen Möbeln und progressiver Mode tot zu kaufen. Gelegenheiten, das Portemonnaie zu zücken, gibt es jedenfalls genug, wie Ilona Marx und Andi Zimmermann auf ihren Zweiradtouren durch die skandinavische Metropole feststellen mussten.

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