City Guide New York

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Doings in Gotham

Ausgabe 04/2008

2008-04-re-illu-ny

Text Ilona Marx  Fotos Carissa Pelleteri / Andi Zimmermann
Illustration
Roman Klonek

Es sind die extremen geographischen Gegebenheiten, die New York zu dem machen, was es ist: eine Sardinenbüchse, in der rund acht Millionen Menschen auf engstem Raum, quasi übereinander gestapelt, leben und arbeiten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Metropolen ist es dem Big Apple grundsätzlich nicht vergönnt, in die Breite zu gehen: Zwei Flüsse, der Hudson und der East River, verhindern eine flächenmäßige Ausweitung des Zentrums. Zumindest auf Manhattan Island kann Wachstum daher nichts anderes bedeuten als Aufstockung und Überlagerung.

In der Folge entsteht der Eindruck, New York sei in stetem Umbau. Ständig werden alte Viertel neu entdeckt und komplett umgestaltet. So ist der Zeitpunkt, an dem eine Gegend ins öffentliche Bewusstsein rückt, oftmals gleichbedeutend mit ihrer Todesstunde. Dann nämlich, wenn die Mieten in so schwindelerregende Höhen steigen, dass Normalverdiener ihre Sachen packen und ihre Immobilien reichen Investoren überlassen müssen. ‚Gentrification‘ heißt dieses Phänomen, das sich am Beispiel New York so trefflich beobachten lässt – ein Phänomen, das in der sozialen Umstrukturierung ganzer Stadtteile mündet und aktuell schwer um sich greift: Findige Köpfe nehmen sich historisch gewachsene Viertel vor und investieren hier in groß angelegte Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen, was eine Aufwertung des Wohnraums nach sich zieht. Die In-Crowd steht schon in den Startlöchern, und bald werden Stadtgebiete, die vormals ob ihrer günstigen Mieten bei Künstlern und Familien beliebt waren, von Yuppies und Großverdienern bevölkert. Der Meatpacking- District und SoHo sind die augenfälligsten New Yorker Beispiele aus der Vergangenheit, jüngst war dann die Lower East Side an der Reihe.

Die Low-Income-Karawane zieht also weiter, nach Harlem, Brooklyn und in die Bronx. Doch New York wäre nicht, was es ist, wenn sie hier zum Stehen käme: Jene Viertel, die Manhattan aufgrund ihrer Lage oder guten Verkehrsanbindung am nächsten sind, wie der Brooklyner Stadtteil Williamsburg beispielsweise, erleben gerade ebenfalls massive Veränderungen. Mit dem Claim ‚Just one stop from Manhattan‘ wirbt man hier um Investoren und neue Mieter, die sich in die schicken Apartmentblocks, die am Ufer des East River aus dem Boden schießen, einkaufen sollen. Zugegeben, der Blick, den man von hier aus auf Manhattan genießt, ist schlichtweg grandios – und Brooklyn längst nicht mehr so heruntergekommen und gefährlich wie in den 80er Jahren. Das Publikum, das momentan noch den Williamsburger Charme ausmacht, wird jedoch vermutlich nicht in diese Neubauten einziehen, vielmehr in dieser nimmermüden Stadt über kurz oder lang auf die angrenzenden Viertel ausweichen müssen.

Insofern möchte der New-York-Cityguide, den Ilona Marx gemeinsam mit der Fotografin Carissa Pelleteri auf ihren Streifzügen für J’N‘C zusammengestellt hat, auch nur eine Momentaufnahme sein. Trotzdem hoffen wir, mit unserer Auswahl an hübschen kleinen Stores, authentischen Diners und Restaurants sowie spektakulären Hotels einige Facetten dieses faszinierenden Schmelztiegels eingefangen zu haben.

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