City Guide Rom

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Historie trifft Hedonismus

Ausgabe 02/2009

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Text Ilona Marx  Fotos Kai von Rabenau  Illustration Roman Klonek

Eines steht schon im Voraus fest: Keine einzige Stadt der Welt ist geschichtsträchtiger als Rom. Womit bereits ein erstes Argument gefunden wäre, das den Besuch der ewigen Stadt zur Pflicht erhebt. Doch wie sieht es mit weiteren guten Gründen aus, sich in Richtung Italien aufzumachen?

Mit Blick auf Politik und Wirtschaft wirkt das angesichts seiner Skandale mancherorts schon als ‚schmutziger Stiefel‘ bezeichnete Land momentan ja nicht gerade einladend. Berlusconi, der mehr an seiner persönlichen Potenz als an seinem Profil als Regierungschef zu arbeiten scheint, wird wohl mit seinem Kabinett aus ehemaligen Models und Moderatorinnen Bella Italia nicht unbedingt aus der Krise führen. Ist das Leben also wirklich noch süß in der Hauptstadt des Hedonismus?

Ja, natürlich. Schon nach wenigen Stunden Aufenthalt ist jeder Zweifel wie weggeblasen, zerschmelzen die mühsam antrainierten puritanischen Gedanken an Ehrgeiz und Enthaltsamkeit wie Stracciatella-Eis in der römischen Mittagssonne. Denn eines haben die Römer schließlich gelernt: mit dem Chaos zu leben, ja, es sogar zu genießen. Mit selbstironischer Nonchalance geht man über die Widrigkeiten des Alltags hinweg, und statt sich aufzureiben, labt man sich lieber an dem, was da ist: dem guten Essen, den exzellenten Weinen, der Sonne, der grandiosen Architektur. Genug Gründe also, die Stadt am Tiber zu besuchen und es den Römern gleichzutun.

Auch J’N‘C Redakteurin Ilona Marx und der Berliner Fotograf Kai von Rabenau ließen sich vom Zauber der der Legende nach fast 3000 Jahre alten Stadt gefangen nehmen. Neben einer Vielzahl von alteingesessenen Traditionsgeschäften, die das Centro Storico prägen – die meisten sind seit Generationen in Familienhand –, waren viele spannende Ladenprojekte zu entdecken, besonders im Monti-Viertel, das sich nördlich an das Kolosseum anschließt. Rund um die Piazza dei Fiori blüht ebenfalls der Handel mit Mode und mehr. Am besten, man lässt sich einfach durch die kleinen Gassen treiben und von den hübschen Lädchen und geschmackvoll eingerichteten Trattorias, Enotecas und Ristorantes überraschen. Architekturfreunde, die nicht nur den historischen Reichtum der Stadt kennen lernen wollen, dürfen das Auditorium aus der Feder von Renzo Piano und das von Zaha Hadid neu gestaltete Museum für zeitgenössische Kunst MAXXI keinesfalls verpassen.

Fernab von Petersdom, Piazza Navona und Pantheon, aber ebenfalls ein Muss: das aufstrebende Künstlerviertel San Lorenzo, das sich nordöstlich des Bahnhofs Termini erstreckt. Last but not least natürlich Trastevere westlich des Tibers, dem der Ruf vorauseilt, ein exzessives Nachtleben in petto zu haben. La dolce Vita lockt also an allen Ecken und Enden der Stadt, einzig das im Film so erfrischend wirkende Bad in der Fontana di Trevi sollte man sich vielleicht verkneifen. Den Wächtern mit ihren schrillen Trillerpfeifen ist die Idee nicht neu, und sie verstehen diesbezüglich überhaupt keinen Spaß. Dann vielleicht doch eher ein schneller Papstsegen. Den kann man sich nämlich, nach Absprache, einmal pro Woche im Vatikan holen gehen. Schaden kann das nach all den Ausschweifungen sicherlich nicht.

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