City Guide Palma de Mallorca

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Best of Both Worlds

Ausgabe 02/2011

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Text  Ilona Marx  Photos  Andi Zimmermann Illustration  Roman Klonek

Längst hat Mallorca den Ruf als Teutonengrill abgelegt. Inzwischen ist der Anspruch der Besucher an ‚die Insel‘, wie das mediterrane Eiland im deutschen Volksmund der großen Identifikation wegen genannt wird, ein anderer. Zu den Pauschaltouristen, die in einigen wenigen Orten unter sich bleiben, gesellen sich Wanderer und Radfahrer, Kulturinteressierte und Naturfreunde, Aussteiger und Kreative. Palma, die Hauptstadt der Balearen, gibt ihnen ein doppeltes Versprechen: ein urbanes Lebensgefühl – und die unmittelbare Nähe zu Bergen und Stränden.

Bei allen Versuchen der Inselregierung, den Tourismus in moderatere Bahnen zu lenken, die teils bereits Früchte tragen – der Flughafen Palma fertigt jährlich etwa 10 Millionen Feriengäste ab. Folglich wäre es auch unsinnig, in das Horn derjenigen stoßen, die Palma noch immer als die ‚unentdeckte Metropole‘ feiern. Entdeckt, das haben hier schon andere. Aber auch Wiederentdecken und sich ein wenig in den Seitenstraßen nach dem ‚qué pasa‘ erkundigen kann große Freude machen. Vor allem, wenn Tradition Seite an Seite mit Avantgarde residiert.

Palma, das mancherorts wie Klein-Barcelona daherkommt, bietet – en miniature – auch dessen Vorzüge. Auch hier werden in der einen oder anderen verschlafenen Gasse spannende Projekte ins Leben gerufen, gibt es zwischen alten Kirchen und Bodegas Luft und Raum für neue Ideen. Zwar zieht die 350.000-Einwohner-Stadt allein schon aufgrund ihrer überschaubaren Größe im unmittelbaren Vergleich mit der großen katalanischen Schwester letztlich wohl den Kürzeren. Doch nicht umsonst haben sich neben vielen ambitionierten Einheimischen auch zahlreiche findige Nordeuropäer hier niedergelassen – einerseits, um dem heimatlichen Wetter zu entfliehen, andererseits, um sich gestalterisch zu verwirklichen.

Es ist eine wahre Wohltat zu sehen, wie viele Kreative in Palma konsequent ihren Stil verfolgen, ohne sich allzu sehr um allgemeine Trends zu scheren. Parallel findet das traditionelle Inselleben statt: Handwerk und Esskultur werden hochgehalten. Als echter Mallorquiner lässt man sich schließlich von Zugezogenen nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Nicht selten macht man mit ihnen gemeinsame Sache. Denn die Laufwege sind kurz in der ehemaligen Königsstadt, die wichtigsten Adressen allesamt zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen. Ein gutes Beispiel: die Kunst. So locken in und um Palma nicht nur das Es Baluard – das ‚Museu d’Art Modern i Contemporani de Palma‘ – und die Fundació Pilar i Joan Miró, es lockt auch die Galerie Sala Pelaires. Seit den 1970er Jahren hat diese ebenfalls eng mit dem Namen Miró verknüpfte Institution das mallorquinische Kulturleben entscheidend mitgeprägt und sollte daher auf der Agenda eines jeden Kunstliebhabers stehen. Gleiches gilt übrigens für die Galerie Thomas De Diego und den Art & Design-Showroom Louis 21, zwei unkonventionelle Kunst-Hotspots jüngeren Datums.

Was Palma sonst noch zu bieten hat, sieht man einmal von den zahlreichen stadtnahen Stränden ab? Traumschöne Designhotels, vielgepriesene Sterne-Restaurants, urige Tapas-Bars, exklusive Mode- und Schmuckläden. In den charmanten Ausgehvierteln Sa Gerrería, St. Catalina und Es Molinar kommen Flaneure wie Feinschmecker auf ihre Kosten.

Modernistische Architektur trifft auf ein arabisches und christliches Erbe. Und wie eine Königin thront die Kathedrale La Seu über der ganzen Vielfalt und trägt ihren Teil zu Palmas ureigener, unverwechselbarer Skyline bei. Wahrlich genug Gründe, um der Balearen-Metropole treu zu bleiben – oder zumindest schnellstmöglich wiederzukommen. Das haben sich J’N’C-Chefredakteurin Ilona Marx und der Düsseldorfer Fotograf Andi Zimmermann dann auch schon während ihrer Streifzüge durch Palma fest vorgenommen.

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